6.11.05

Nur noch übergewichtig...

So nun hab ich es geschafft ...ich bin unter BMI 30...geknallt hat es trotzdem nicht ;-)

Ich nehme aber auch diesen Tag als Anlass mal wieder (jaja MAL wieder...) über mein Leben mit dem Bypass zu berichten.
Also eines ist klar...es ist und bleibt die beste Entscheidung die ich treffen konnte, ABER es ist und bleibt nicht einfach. Ich habe gerade in einem andern Forum einen Beitrag geschrieben und möchte auch hier davon schreiben.


Ich bin und bleibe esssüchtig. Ich merke dass ich immer weniger widerstehen kann...dass Süssigkeiten, Chips und Co immer noch meine Versucher sind. Gerade die letzten Tage mach ich mir sehr viele Gedanken darum und komme zu dem Schluss dass ich versuchen muss Essen nicht mehr als Feind zu betrachten! Ich bin nicht operiert worden um ein Leben lang zu verzichten sondern um mich und meine Sucht in den Griff zu bekommen. Das heisst darum auch nicht dass ich meine Esssucht los bin es heisst nur dass ich sie besser kontrollieren kann. Ich muss nun viele Dinge neu lernen...als erstes muss ich lernen meinen Kopf in den Griff zu bekommen. Ich muss aber auch lernen die neue Diane als solche anzusehen die sie ist...übergewichtig aber OK. Ich muss lernen mit den Komplimenten umzugehen, so komisch das auch klingt, zur Zeit bin ich absolut genervt davon dass mich JEDER drauf anspricht wie toll ich doch nun aussehe usw...es ist nicht dass ich das nicht geniesse nein, aber es tut mir in der Seele weh zu begreifen wie ich vorher ausgesehen habe...versteht ihr was ich meine? Jedes Kompliment zur Zeit macht mir deutlich wie schlimm es vorher war. Nicht dass ich es nicht wüsste, nein aber es ist wie eine Wunde in die immer wieder ein Messer hineingestochen wird, die sich nicht schliessen kann....
Tja und zu all dem gehört dass ich nun auch lernen muss zu akzeptieren WIE ich einmal war denn das scheine ich irgendwie noch nicht verinnerlicht zu haben ;-)))

Ich habe auch in dem andern Forum geschrieben dass Essen für mich wie Freunde ist...manche Freunde tun mir gut und andere ziehen mich runter. Das bedeutet nicht dass ich sie nicht mögen darf, es bedeutet bloss dass ich erkennen muss welche Freunde mir in welcher Dosis gut tun!

Mein Leben lang bedeutete Essen für mich Trost, Genuss, Ablenkung ja auch Liebe verbunden mit Ekel vor mir selbst, seelischem und körperlichem Schmerz ihr wisst bestimmt was ich damit meine...ich hatte NIE eine normale Beziehung zum Essen.

Zur Zeit kommen Situationen in mir hoch die ich früher mal erlebt habe die ich absolut verdrängt habe....sie tun das mit einer solchen Wucht dass ich wirklich schwer daran zu knabbern habe...


Ich bin bei meinen Grosseltern aufgewachsen und erst mit 13 zu meiner Mutter zurückgekehrt. Auf die Umstände genau einzugehen würde hier zu weit führen
Als ich 9 war ist mein Grossvater gestorben, danach hatte meine Oma nur eine Minirente mit der sie uns eben durchbringen musste. Vor Kurzem habe ich mich an Dinge erinnert die ich eben nicht mehr wusste...wir hatten am Anfang des Monats dann immer die Rente, lebten ausserhalb des Dorfes und dort kam immer der Bäcker mit dem Wagen vorbei. Wenn dann die Rente da war kaufte meine Grossmutter Unmengen von Sahneteilchen und Co die wir dann in uns reinwürgten...sprich das grosse Fressen wenn Geld da war. Am Ende des Monats blieb dann kaum genug Geld für Marmelade und Brot. Essen bedeutete damals also Völlerei und Wohlstand...ich weiss das ist krank aber ich glaube schon dass es mit mir und meiner Einstellung zum Essen zu tun hat, mich geprägt hat. Es ist bloss ein Beispiel von vielen...

Über die Probleme mit meiner Mutter möchte ich hier nicht öffentlich schreiben... aber ich weiss nun mit Sicherheit dass mir meine gestörte Beziehung zum Essen anerzogen wurde...ich hab nie gelernt normal zu essen!

Einerseits war es verbunden mit Hochgefühl...Geld haben um zu Schlemmen (Grossmutter) und andererseits war es verbunden mit Strafe und Ekel...(meine Mutter) ich hatte nie eine Chance zu lernen was normal ist !!!!

Und komischerweise trifft mich diese Erkenntnis zur Zeit mit totaler Wucht! Warum hab ich das verdrängt??? Wieso hab ich mich nicht mal daran erinnert als ich damals die Therapie gemacht habe?

Ihr seht so ein Bypass und die Abnahme die damit verbunden ist bringt so manches an den Tag. Es ist nicht immer einfach und ich denke dass man stark sein muss um alles zu verarbeiten. Einerseits macht es mir Angst, andererseits bin ich froh dass ich Erkenntnisse bekomme, Einblicke in meine Vergangenheit die einfach weg waren...vielleicht auch aus Schutz? Vielleicht hat meine Seele vieles verdrängt und wird nun erst stark genug das alles zu verarbeiten? Aber egal niemand soll glauben dass jemand es sich einfach macht mit der OP ;-))) Im Gegenteil trotz dem Erfolg ist so manches absolut ein Hammer und ich kann nur sagen es ist definitiv nicht alles Gold was glänzt!!!

Aber ich bin ein Stehaufmännchen...was mich nicht kaputt macht bringt mich weiter ;-))) Und ich habe den festen Willen weiter zu kommen! Ich habe soviel Scheisse in meinem Leben hinter mir, es kann nur noch besser werden ;-))

In diesem Sinn wünsche ich euch allen einen schönen Restsonntag und vielleicht helfen meine Zeilen ja der ein oder andern unter euch auch etwas klarer zu sehen...zurückzublicken???

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Oh du Fröhliche ....

Hallo ;-) Diesmal hat es nicht ganz so lange gedauert bis ich mich mal wieder melde. Ist doch echt ne Verbesserung oder? Was ist inzwische...